Umschlag von Düngemittel bei J. Mueller Agri
Agrarzeitung, 29.06.2012
Seehafen prägt Landwirtschaft in der Region
Im Seehafen Brake werden jährlich etwa 6 Mio. t Waren umgeschlagen. Mehr als die Hälfte davon sind Agrargüter. Der dort ansässige Betreiber Unternehmen J.€Müller Agri Terminal verfügt über eine der größten zusammenhängenden Siloanlagen Europas.
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Seit fast 200 Jahren lebt Brake an der Unterweser vom Hafen und von der nahen Nordsee. An den rechtwinklig angeordneten Straßen der Innenstadt reihen sich die alten Pack- und Lagerhäuser aneinander. Repräsentative Villen zeugen davon, dass manch ein Braker durch den Handel zu Wohlstand gelangt ist. Mit seinen bis zu 90 Meter hohen Silos dominiert heute der Hafen die Silhouette der Stadt. Schon früh war der Umschlag von Getreide und Futtermitteln ein wichtiges Standbein für die Wirtschaft. Die Entwicklung der Landwirtschaft und Tierproduktion in Nordwestdeutschland war und ist eng verbunden mit dem Seehafen an der Unterweser. In Zeiten politisch motivierter, hoher Getreidepreise innerhalb der EU wurden in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts große Mengen Tapioka importiert. Die Ware aus Übersee war eine kostengünstige Alternative zum Getreide im Mischfutter.
Starke Schwankungen
Heute werden vor allem Sojaprodukte, Palmkernexpeller und Getreide umgeschlagen. Politische Einflüsse bekommt der Hafen immer wieder direkt zu spüren. Ein Beispiel sei die Problematik mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO), erklärt Reiner Schlehr. Die Frage der Zulassung von gentechnisch veränderten (GV-)Maissorten habe großen Einfluss auf die Einfuhr von Corngluten aus Amerika und sorge in Brake für starke Mengenschwankungen, berichtet der Logistik-Experte, der bei Agri Müller für den Agrarbereich mitverantwortlich ist. Die Schiffe legen an der Strompier des J. Müller Agri Terminals an. „Wir verfügen in Brake mit einer Kapazität von 465000 t über eine der größten zusammenhängenden Siloanlagen Europas“, berichtet Schlehr. Ein großer Teil des Futtermittels und des Getreides werde ex Seeschiff gelöscht und anschließend per Binnenschiff, Waggon und Lkw in das Zentrum der deutschen Veredelungsindustrie, das Oldenburger Münsterland, verbracht. Für große Landhandelshäuser und Mischfutterhersteller übernimmt J. Müller zudem die Lagerung der Importwaren. Über mehrere Selbstbedienungsanlagen können viele Waren an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr per Lkw abgeholt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, die Waren per Bahn, Küstenmotorschiff oder Binnenschiff weiterzutransportieren. 30 Binnenschiffer sind als feste Subunternehmer, so genannte Partikulierer, auf den deutschen Wasserstraßen für J.Müller unterwegs.
In den vergangenen Jahren habe der Umschlag von Düngemitteln an Bedeutung gewonnen. Rund 100000 t würden inzwischen jährlich über Brake umgeschlagen. „Wir spüren das spekulative Element im Düngemittelmarkt und die schwankende Nachfrage nach Düngemitteln direkt“, erklärt Schlehr. Um darauf reagieren zu können, habe man Umschlagkapazitäten und Lagerraum entsprechend angepasst. Einige große Agrarhandelshäuser hätten bei J. Müller Lagerraum fest angemietet, andere würden nur bei Bedarf auch den Lagerservice nutzen. Umgeschlagen werden KAS, DAP und Harnstoff. „In den vergangenen drei Jahren konnten wir das Düngemittelgeschäft kontinuierlich ausbauen“, ist der Logistikexperte zufrieden. Ziel sei es, sich dadurch breiter aufzustellen.
J. Mueller investierte in zusätzliche Lagerkapazitäten, sodass heute 40000 t in eigenen Hallen gelagert werden können. Bei Bedarf könnte Lagerraum für weitere 25000 t kurzfristig angemietet werden, so Schlehr. Je nach Kundenwunsch werde die Ware direkt auf den abnehmenden Lkw oder das Binnenschiff verladen – oder für eine Zwischenlagerung ins gedeckte Lager verbracht. Spätestens ab Mitte Juli dieses Jahres werde eine neue doppelte Fuhrwerkswaage für eine bessere Abfertigung der abholenden Dünger-Lkw sorgen. Ursprung der Düngerprodukte sei vor allem der Ostsee- und Mittelmeerraum. Geliefert würden die Düngemittel vor allem an Landhandelsunternehmen in Nordwestdeutschland.
Ganzzüge aus Südosteuropa
Durch volatile Märkte und neue Rahmenbedingungen ändern sich die Warenströme immer häufiger. Unter anderem wird Futtergetreide aus Südosteuropa per Seeschiff in Brake transportiert, um den Bedarf der nordwestdeutschen Futtermühlen zu decken. Doch nicht nur auf dem Seeweg, auch über das Netz der Bahn gelangen mehr und mehr Getreideimporte nach Brake. Ganzzüge aus den südöstlichen Nachbarländern kommen an der Unterweser an. Ein Teil der Waggons könne auf dem Rückweg für den Transport von Futtermitteln nach Tschechien oder Ungarn genutzt werden, so Schlehr. Im internationalen Wettbewerb müsse sich Brake gegen die Konkurrenz in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen behaupten. So ermöglicht es die Wassertiefe der Unterweser nicht, Brake mit voll beladenen Panamax-Schiffen anzufahren. Das Unternehmen J. Müller hofft darauf, dass die geplante Anpassung der Unterweser bald realisiert wird. Denn dann könnten auch die großen Dampfer an der Strompier an und
ablegen.
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